Am 23. Juni fand die Gründungsveranstaltung für die Energiegemeinschaft Bad Traunstein statt. Interessierte konnten sich hier über die Vorteile der Energiegemeinschaft informieren. Michael Hackl vom Land NÖ Abt. Umwelt- und Energiewirtschaft und Andreas Schwifcz von der EZN NÖ (Energieszukunft Niederösterreich) präsentierten das Projekt und standen im Anschluss für Fragen zur Verfügung.
Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) bringen Vorteile für alle, die Strom produzieren, speichern, verbrauchen oder tauschen. Das Wichtigste dabei ist - das Geld bleibt in der Region.
„78 Interessenten haben sich bereits 2021 gemeldet, als wir das Projekt begonnen haben“, berichtete Bürgermeister Roland Zimmer. Eine kleine Gruppe hatte damals an einem Onlineseminar teilgenommen und die Vorteile einer EEG erkannt. Man bewarb sich als Pilotgemeinde beim Land Niederösterreich. Durch die Energiekrise ist das Projekt eingeschlafen. „Martina Friedl, Michael Hackl und ich haben als Proponenten einen Verein gegründet und starten jetzt durch“, so Zimmer.
Michael Hackl aus Weidenegg in der Gemeinde Bad Traunstein ist bei der Abteilung Umwelt- und Energiewirtschaft des Landes Niederösterreich beschäftigt und konnte als profunder Kenner der Materie die Anwesenden über die wichtigsten Zahlen und Daten zu diesem Thema informieren. Einhundert Maßnahmen sind im Niederösterreichischen Klima- und Energiefahrplan enthalten. Die Gründung von EEGs ist ein Schritt in dem Bestreben erneuerbare Energie noch sinnvoller zu nutzen. „Wir haben bereits 97 Photovoltaikanlagen in Bad Traunstein und das bedeutet, dass rein theoretisch der Stromverbrauch aller Haushalte in der Gemeinde damit gedeckt werden könnte“, so Hackl. Das klappt natürlich nicht, weil die Sonne ja nicht ganzjährig 24 Stunden am Tag scheint. Derzeit ist die Nutzung in Anlagen ohne Speicher bei rund 20 %. Durch die EEG kann der Nutzungsprozentsatz wesentlich erhöht werden.
„Österreich ist weltweiter Vorreiter beim Modell Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften“, meinte Andreas Schwifcz von der Energiezukunft Niederösterreich (EZN). Er erläuterte die Grundlagen für eine regionale EEG. Dabei können alle Verbraucher und Produzenten, die an einem Umspannwerk angeschlossen sind Teilnehmer des Projekts werden. Fast alle Haushalte in der Marktgemeinde Bad Traunstein und darüber hinaus viele Stromkunden aus den Nachbargemeinden sind an das Umspannwerk Sallingberg angebunden und könnten Mitglied bei der regionalen EEG werden. Der Strom kann dabei durch Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Biogas, Biomasse und Geothermie erzeugt werden. In Bad Traunstein wird zurzeit nur PV-Strom erzeugt. Als Verbraucher sind nur Großbetriebe ausgeschlossen, die aber in der Region nur sehr selten vorhanden sind.
„Alle Verbraucher die mehr als 3500 Kilowattstunden im Jahr benötigen, sollten derzeit einen Preisvorteil haben“, erläuterte Schwifcz. Das System: Du lieferst als PV-Besitzer deinen nicht selbst verbrauchten Strom an die Nachbarn und diese zahlen den günstigen Tarif direkt an dich. Die Vorteile der EEG sind: 100 % erneuerbare Energie aus der Region, Wertschöpfung bleibt im Ort, die Leitungsnetze werden entlastet, geringere Netzkosten und meist ein geringerer Verbraucherpreis. Der Produzent erhält im Traunsteiner Modell einen besseren Preis als der ÖMAG-Tarif. Die EZN unterstützt den Aufbau der EEG, übernimmt die gesamte Mitgliederverwaltung sowie die Verrechnung und hilft bei der Kommunikation mit dem Netzbetreibern und den Behörden. Für Bad Traunstein ist derzeit eine Bindung für 6 Monate vorgesehen. Die weiteren Konditionen und die Preise werden zukünftig vom Verein angepasst. Die 78 ursprünglichen Interessenten sind eine gute Grundlage für den Aufbau des Vereins und der EEG. „Der Informationsabend hat viel dazu beigetragen, um weitere Mitglieder zu finden“, meinte Bürgermeister Zimmer zum Abschluss. (Text: Dieter Holzer)
Die wichtigsten Infos finden Sie in der angefügten Datei.
Präsentation Energiegemeinschaft Bad Traunstein (pdf)
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