Großschönau (03.05.2023): Auch in ländlichen Regionen wird der achtsame Umgang mit der Ressource Boden immer wichtiger, um diese für die nächsten Generationen zu erhalten. Der Verein Interkomm informiert seine Bürgermeister:innen, welche Maßnahmen gesetzt werden können, um die Versiegelung möglichst gering zu halten.
Versiegelung vermeiden, aber wie?
Am 3. Mai 2023 lud der Verein Interkomm Waldviertel – ein Zusammenschluss von Gemeinden der Region - auf den Sonnenplatz in Großschönau zu einer zukunftsweisenden Informationsveranstaltung ein. 48 Gemeindevertreter:innen aus dem gesamten Waldviertel, vorwiegend Bürgermeister:innen, sind der Einladung gefolgt.
„Die steigende Flächeninanspruchnahme, insbesondere die Versiegelung, ist für die Waldviertler Gemeinden ein wichtiges Thema. Der Boden liefert die Grundlage für unseren Naturraum, für ein sauberes Trinkwasser, für die Produktion von Lebensmittel in der Landwirtschaft, ebenso für die Forstwirtschaft. Die achtsame Entwicklung des Siedlungs- und Wirtschaftsraumes gehört daher zu den Kernaufgaben einer zukunftsgerichteten Gemeindearbeit“, so Bürgermeister Bruckner, der die Veranstaltung als Obmann des Vereines Interkomm initiiert hat.
Ziel ist es, mit Bodenversiegelung sparsam umzugehen und dort, wo es möglich ist, versiegelte Flächen rückzubauen. Bisher gibt es wenig Erfahrung darin, wie das geht, ohne die gewünschte Nutzung zu vernachlässigen. Es braucht auch eine Sensibilisierung der Menschen für das Thema.
Der Verein Interkomm Waldviertel hat mit der „Waldviertler Erklärung zur regionalen Leitplanung“ klar dokumentiert, dass die künftige räumliche Entwicklung ressourcenschonend erfolgen soll.
Wie dieser ressourcenschonende Umgang bei den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen gestaltet werden kann, wurde von den Experten erläutert und mit konkreten Beispielen aus Gemeinden ergänzt.
Zum Einstieg wurden von Georg Aufhauser (Kommunaldialog und Raumplanung aus Herzogenburg) konkrete Daten zum Bodenverbrauch im Waldviertel präsentiert. Diese zeigen, dass der Versiegelungsanteil durch Straßen und Wege wesentlich höher ist als jener durch Gebäude.
DI Dr. Bernhard Scharf vom Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der BOKU Wien untermauerte mit seinen Ausführungen zur Veränderung unseres Lebensraumes durch den Klimawandel wie dringend die Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenversiegelung sind. Damit die gewünschte Nutzung sichergestellt werden kann, ohne wie bisher flächig zu versiegeln, braucht es eine fundierte Kenntnis zum vorhandenen Boden.
Wieviel Niederschlag kann der anstehende Untergrund an Wassermenge aufnehmen und auch wieder abgeben? Dazu referierte DI Dr. Franz Aschauer, MBA, Ziviltechniker für Kulturtechnik und Wasserwirtschaft.
Ing. Anton Rath, Gartengestaltung Rath, zeigte praktische Umsetzungslösungen mit dem geprüften System „Draingarden“ auf.
Fördermöglichkeiten für Gemeinden bei Rückbaumaßnahmen versiegelter Flächen wurden von DI Andreas Datzinger, Abteilung WA4, vom Amt der NÖ Landesregierung vorgestellt.
Die Bürgermeister:innen Helga Rosenmayer (Gmünd), Anette Töpfl (Vitis), Josef Schaden (Schweiggers) und Martin Bruckner (Großschönau) berichteten über bereits umgesetzte Maßnahmen in ihren Gemeinden. Die Teilnehmer:innen erhielten einen guten Überblick, was funktioniert und wo Lehrgeld bezahlt wurde.
Die Erfahrung zeigt zudem, dass sehr oft die betroffenen Anrainer von der Sinnhaftigkeit solch wichtiger Maßnahmen zu überzeugen sind.
Obmann Bgm. Martin Bruckner fasste die Erkenntnisse zusammen und stellte dabei fest, dass es viele Möglichkeiten gibt, um Versiegelung zu vermeiden bzw. Versiegelung rückzubauen. Die Praxis zeigt, dass jeder Standort, je nach Versickerungsfähigkeit und Tragfähigkeit des Bodens, und jede Nutzung (z.B. Fahrbahn, Gehweg, Parkplatz, Pflanzflächen, Ersatz für Regenwasserkanal usw.) spezifische Maßnahmen erfordert.
Leider ist das Wissen zur technischen Umsetzung noch nicht sehr verbreitet. Es gibt das patentierte System „Draingarden“, das „Schwammstadtprinzip“ z.B. für Bäume und es gibt zahlreiche Eigenbaulösungen mit mehr oder weniger Erfolg.
Im öffentlichen Bereich, aber ebenso im Privatbereich, bieten schmälere Fahrbahnen, Parkplätze und Wege großes Potenzial zum Einsparen von Bodenversiegelung ohne große Nachteile für die Benutzer.
Um Regenwasser zu halten, gibt es zusätzliche Möglichkeiten mit Pflanzflächen oder sogar mit dem Verzicht auf jede Regenwasserableitung, also der Regenwassereinspeicherung vor Ort.
„Es zahlt sich aus, Versiegelung hintan zu halten, für unseren Grundwasserhaushalt ebenso wie für den Hochwasserschutz. Reduktion des Flächenverbrauches sichert auch die Biodiversität“, so Bgm. Bruckner am Ende des informativen und diskussionsreichen abends. Mit der Veranstaltung hat der Verein Interkomm wieder ein wichtiges Thema aufgegriffen.